Cover Kein Stil. Ernst Keller (‡ˆ1891–1968ˆ) – Lehrer und Pionier des Swiss Style

Kein Stil. Ernst Keller (‡ˆ1891–1968ˆ) – Lehrer und Pionier des Swiss Style

Das ist mutig. Ein Buch zu einem halbbekannten schweizerischen Gestalter und Lehrer ohne Bild auf dem Cover und stattdessen mit sperrigem Schrifttitel vorzulegen, die Coffee Table Book-Größe verschmähend, ohne sich handlich anzubiedern – das hat was. Es folgen im Innern Porträts, Mann mit Mantel, Hund mit Herr, Texte zu Werk und Person, dann ein Zürcher Stadtbilderbogen, dem eines gemeinsam ist: alle Baubeschriftungen sind von Ernst Keller: Handelshaus und Elektrizitätswerk, Gasthaus und Bahnhof, schließlich das Gewerbemuseum mit (alter) Kunstgewerbeschule und der Vorbildtypografie der Schriften Square und Rektorat. Folgend Werkbericht mit Plakaten und Signets, Unterrichtsbeispiele und die Vorstellung einiger, die bei Keller gelernt haben. Richard Paul Lohse, der die Heraldik in die konstruktive Grafik überführt; Walter Ballmer, bei dem das geometrische Schriftvorbild Kellers deutlich wird; Warja Lavater, die sich eindrucksvoll vom Vorbild befreit; und die illustrative Lora Lamm. Das alles wird mit teilweise wenig bekannten Bildern illustriert, etwa dem Haettenschweiler- Ausstellungscontainer. Keller wird angemessen vorgestellt. Als Gestalter, der Wert auf gezeichnete Schriften legt, als Lehrer, der keinen Stil vorgibt, sondern Entfaltung fördert, schließlich als Beschreiber nicht nur des Zürcher öffentlichen Raums, sondern als Anreger und Mitakteur der modernen schweizerischen Grafik, auch wenn dies nach der Durchsicht des Buches nur eine Episode blieb. Anderes aber irritiert, so die auch in der Schweiz ungebräuchliche Lebensdatendarstellung auf dem Titel, und weiteres fehlt, ein Stadtplan von Zürich für Nicht-Ortsansässige zum Beispiel. Trotzdem: Eine Keller-Monografie war überfällig, dass sie nun vorliegt, ist ein nicht zu unterschätzendes Verdienst für die Designgeschichte.
Preis
€49.00 inkl. MwSt, zzgl. Versand
Ähnliche Artikel